Eine Wahlumfrage sagt, wie viele Stimmen eine Partei heute bekäme. Ein Prognosemarkt sagt, für wie wahrscheinlich Händler ein bestimmtes Ergebnis halten. Das sind zwei verschiedene Größen, und wer sie verwechselt, zieht falsche Schlüsse.

Was Wahlumfragen messen

Institute wie INSA, Forsa, Infratest dimap, Allensbach und die Forschungsgruppe Wahlen veröffentlichen regelmäßig die Sonntagsfrage, auf Bundesebene und vor Landtagswahlen. Für die Einordnung gilt:

  • Jede Umfrage hat eine Fehlertoleranz von mehreren Prozentpunkten. Ein Punkt Unterschied ist meist Rauschen.
  • Institute gewichten unterschiedlich, deshalb weichen INSA und Forsa systematisch voneinander ab.
  • Aussagekräftiger als eine einzelne Umfrage ist der Durchschnitt mehrerer Institute.
  • Wahlkreisprognosen rechnen Umfragen auf Wahlkreise um und sind entsprechend unsicherer.

Was ein Prognosemarkt misst

Auf einem Prognosemarkt werden JA- und NEIN-Anteile gehandelt. Jeder Gewinneranteil zahlt 1 Dollar aus. Kostet JA 35 Cent, liegt die implizite Wahrscheinlichkeit bei rund 35 Prozent. Der Preis bewegt sich mit jedem Handel.

WahlumfragePrognosemarkt
AussageStimmenanteilWahrscheinlichkeit eines Ergebnisses
TaktWöchentlich oder seltenerLaufend
Wer sprichtStichprobe der WahlberechtigtenWer Geld einsetzt
SchwächeStichprobe, GewichtungGeringe Liquidität, große Händler

Warum 30 Prozent nicht 30 Prozent sind

In Deutschland entscheidet die Wahl nicht direkt über die Regierung. Die Fünf-Prozent-Hürde, Direktmandate und vor allem die Koalitionsbildung liegen dazwischen. Eine Partei kann in der Umfrage mit 30 Prozent vorn liegen und trotzdem nur geringe Chancen haben, den Kanzler oder die Ministerpräsidentin zu stellen. Ein Markt zur Frage "Wer wird Regierungschef?" bepreist genau diesen zweiten Schritt.

Entscheidend ist deshalb der Wortlaut der Marktfrage: "stärkste Partei" und "stellt den Regierungschef" sind verschiedene Märkte mit verschiedenen Preisen.

So liest man beides zusammen

  1. Umfragedurchschnitt für die Stimmenanteile nutzen.
  2. Marktfrage und Auflösungsregeln genau lesen.
  3. Volumen und Spread prüfen, bevor man einem Preis vertraut.
  4. Eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent tritt in einem von vier Fällen nicht ein.

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